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Ahnenforschung Birgit Hüttebräucker

Abergläubisches aus Herscheid und Umgebung

In der Gemeinde Herscheid gehen auf Matthiasnacht (Tiggesnacht) - das ist  am 24. Februar - alle Leute, die in demselben Jahre sterben müssen, nach dem Kirchhofe und arbeiten an ihrem Grabe.

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In derselben Nacht kann sich auch ein Jüngling seine zukünftige Frau kommen lassen, nämlich auf folgende Weise: Er setzt auf der Tenne (Diäle) eine Leiter in die Balkenluke, stellt unten bei der Leiter einen Tisch, auf diesen Waschnapf mit Wasser, Spiegel, Seife, Handtuch und Kamm. Sodann legt er einen geschriebenen Spruch (angeblich eine weiter nicht bekannte Stelle aus der Offenbarung Johannis) auf den Tisch und setzt sich ruhig hin. Schlag zwölf Uhr muß das Mädchen durch die Balkenluke kommen und macht alsdann Toilette. Sobald sie fertig ist, verschwindet sie wieder. Hat sie der Jüngling gekannt, dann ists gut; wo nicht, ist er gezwungen, so lange zu suchen, bis er sie findet. Ich habe einen Mann gekannt - derselbe ist aber schon lange tot - , welcher auf diese Art zu seiner Frau soll gekommen sein. Er hatte das Mädchen jedoch nicht gekannt und es nach langem Suchen endlich zu Breckerfeld aus der Kirche kommen sehen.

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Ein Mädchen aus Valbert hatte sich auch einen Mann kommen lassen; derselbe war in Gestalt eines schmucken Soldaten erschienen. Um ihn jedoch gewiß zu bekommen, hielt sie ihm den Säbel zurück.  Später, als die beiden schon lange Mann und Frau waren, erzählte sie ihm das Abenteuer und zeigte ihm den Säbel. Mit den Worten: “So, dann büs du dei Düewel, dei mick üower Heck un Strücke driäwen hiät”,[So, dann bist du der Teufel, der mich über Hecken und Sträucher getrieben hat.], erstach er erst sie und dann sich selbst.

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Früher stahlen in der Nacht die Burschen die Betten oder Bettlaken der Mädchen und hingen solche oft sehr hoch in die Bäume. In hiesiger Gegend (um Herscheid) wurden auch oft Strohkerle [Tigges] gemacht und den Mädchen, welche keinen guten Ruf hatten, vors Fenster gesetzt mit einem Schreiben, worin das ganze Sündenregister enthalten war.

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In der Sylvesternacht (31. Dezember) zwischen 12 und 1 Uhr kann man - wie in der Gemeinde Herscheid die Sage geht - dem Teufel eine Katze verkaufen und dafür den “Wesseldaler” eintauschen. Derselbe heißt deshalb so, weil er immer, wenn er ausgegeben ist, von selbst wieder in die Tasche kommt. Man nimmt nämlich eine kohlschwarze Katze, an der kein weißes Härchen ist, tut sie in einen Sack, bindet diesen zu und macht in das Band 99 Knoten. Alsdann geht man dreimal um die Kirche. Zum dritten Male, wenn man an die große Kirchtüre kommt, steht da der Gottstehbeiuns und fragt was man wolle. Man antwortet, man wolle ihm einen Hasen verkaufen. auf die Frage, was der kosten solle, sagt man: einen Taler. Der Teufel gibt alsdann den Taler gleich oder macht, daß man ihn zu Hause in der Tasche findet. Dann gilt es aber zu laufen: denn hat der Teufel die Knoten los und sieht, daß er betrogen ist, dreht er der Katze das Genick um; hört man nun den Schrei des Tieres, wird man auf beiden Ohren taub.

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In derselben Nacht haben auch die Hexen ein Seil gespannt von der Herscheider Linde bis an den Kirchturm, auf dem sie in dieser Nacht tanzen. Das kann aber nur jemand sehen, der des Sonntags unter Glockengeläute oder am Karfreitag während der Predigt geboren ist.

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Birgit Hüttebräucker
(Quelle: Süderland Heimatblatt für den südlichen Teil der Grafschaft Mark, Nr. 10 September 1923)
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