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Ahnenforschung Birgit Hüttebräucker
Damals in Herscheid

Aus der Chronik der Schule in Elsen 1878-1888

Von Birgit Hüttebräucker Januar 2018
Quellen:
Chronik der Schule Elsen

Einen interessanten Einblick in die Herscheider Schulgeschichte gibt eine Chronik aus der Volksschule in Elsen, von der sich eine Kopie im Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde befindet. Bisher fand diese  44-seitige Zusammenstellung noch nicht viel Beachtung, was sicherlich der alten und nicht gut lesbaren Schrift geschuldet ist. Die Aufzeichnungen, die am 1. März 1878 beginnen und am 22. September 1888 enden, wurden kürzlich in die heutige Schrift übertragen.

Bei den Chronisten wird es sich mit Sicherheit um den Lehrer Karl Schulz der von 1877 bis 1881 in Elsen tätig war und seinem Nachfolger, den aus Lüdenscheid stammenden Albert Kramer (1881 bis 1891) handeln. Die beiden Lehrer berichten in diesen Aufzeichnungen über zahlreiche Ereignisse, die den Schulalltag in Elsen widerspiegeln aber teilweise auch für alle Schüler in den Schulen der Gemeinde zutreffend waren. Einige der Einträge zeigen aber auch, dass es vor 140 Jahren in den Schulen ähnliche Probleme wie heute gab. Wenn auch auf eine etwas andere Art und Weise. So zählen beide Lehrer über den gesamten Zeitraum der Chronik, zahlreiche Gründe dafür auf, dass der Unterricht ausfallen musste. Unter anderem weil: … der Lehrer an einer Begräbnisfeier teilnahm, als Zähler bei der Volkszählung tätig war, an der Einweihung der Schule zur Höh, teilnahm, zum Examen erscheinen musste, ein plötzlicher Krankheitsfall in der Familie auftrat oder er an einer Gesangsprobe in Lüdenscheid teilnehmen wollte. Drei bis viermal im Jahr fanden Lehrerkonferenzen in Plettenberg, Werdohl und Neuenrade statt zu der die Lehrkräfte dann mit Pferd und Wagen, oder im schlimmsten Fall zu Fuß erschienen. Da an den Kirchspielschulen immer nur ein Lehrer, sowohl vormittags als auch nachmittags tätig war, lässt sich dieser Unterrichtsausfall leicht erklären.

Auch das Wetter sorgte damals wie heute für einen unverhofften freien Schultag. So schreibt der Chronist am 19. Dezember 1878: “Der Nachmittags-Unterricht fiel weg, weil sich des bedeutenden Schneefalls wegen, nur ein Kind eingefunden hatte.“ Auch vom 7.- 15. Januar 1886 beklagt der Lehrer einen sehr schlechten Schulbesuch, da die Kinder zum großen Teil durch den tiefen Schnee verhindert waren. Er schreibt weiter: „Für kleinere Mädchen war es fast nicht möglich, selbst hier in Elsen, bis zur Schule zu kommen, da der Schnee durchschnittlich 2/3 m. hoch lag“. Die weiteren Aufzeichnungen zeigen, dass auch vom 3.-7. März „die Kleinen nicht unterrichtet werden konnten, da keine Schüler vorhanden waren. Die Wege waren Wegen des tiefen Schnees unpassierbar“. Einmalig im Zeitraum der Aufzeichnungen findet sich ein Hinweis auf Unterrichtsausfall in Elsen wegen großer Hitze. Der Eintrag vom 26. Juli 1881 lautet: „ Wegen einer allzugroßen Hitze fiel der Nachmittagsunterricht aus. Die Temperatur betrug 26 ° Rèamour im Schatten“. Diese Temperaturskala war bis Ende des 19. Jahrhunderts in Westeuropa verbreitet. Umgerechnet herrschten an diesem Tag in Elsen 32,5 ° Celsius.

Recht ausführlich widmet sich der Lehrer in den Aufzeichnungen den zahlreichen Gedenktagen, die mit einer Schulfeier begangen wurden. Besonders erwähnenswert ist hier der Sedantag. Ein Gedenktag, der von 1871 bis 1918 jährlich am 2. September gefeiert wurde. Der Lehrer notiert im Jahr 1878, dass die Schule in Elsen, mit den beiden Herscheider Schulen das Fest zusammen feiert. Nachdem die Schulfeier in den Schullokalen abgehalten wurde, zogen die Kinder aus Elsen, in geordneten Reihen nach Herscheid. Dort wurde unter klingendem Spiel und fliegenden Fahnen ein Festzug durchs Dorf gemacht. Nachdem die Eltern und Kinder mit Kaffee und Gebäck bewirtet wurden, fand eine Ansprache am Kriegerdenkmal statt. Danach begab sich Jung und Alt zu einem freien Platz, wo durch Spiele, Wettlaufen usw. verschiedene Preise an die Kinder verteilt wurden. Eine weitere Schulfeier fand laut den Aufzeichnungen jährlich am 22. März, anlässlich des Kaiser Geburtstages statt. Über den Ablauf einer solchen Feier berichtet Lehrer Karl Schulz im Jahr 1878 wie folgt:  „Der Schulunterricht fiel an diesem Tage aus wegen der Feier des Geburtstages unseres Kaisers und Königs. Am Morgen versammelten sich die Kinder im Schullokale wo nach entsprechender Ansprache von Seiten des Lehrers von einigen Kindern Gedichte vorgetragen wurden. Daneben wurden patriotische Lieder gesungen. Nach Verlauf einer guten Stunde war in dieser Weise die Feier beendet. Die Schüler versammelten sich nun draußen und zogen, da die Witterung ziemlich einladend war, hinaus in den Wald, wo sie sich auf einem freien Platze noch einige Zeit durch Gesang und heitere Spiele erfreuten.“

Aber auch andere Ereignisse in der Kaiserfamilie, wurden mit einem Festakt in der Elsener Schule begangen: So wurden unter anderem  „Die glückliche Wendung, welche das Attentat auf Kaiser Wilhelm im Mai 1878 genommen hatte“ oder auch  „Die Feier der goldenen Hochzeit des Kaisers und seiner Gemahlin“ im Jahr 1879 als Anlass für eine Schulfeier genommen.

Ebenfalls verzeichnet sind in dieser Chronik die wiederkehrenden Besuche des Kreisschulinspektors Huffelmann aus Neuenrade und die des Dr. Robert aus Lüdenscheid. Letzterer begutachtete den Gesundheitszustand der Kinder. In den meisten Fällen fand der Lüdenscheider Arzt Kinder die „mit Krätze behaftet“ waren. Doch am 13. Mai 1888 trägt der Chronist folgenden Vermerk ein: „Vormittags 8 ½ Uhr ärztliche Revision der Schule seitens des Herrn Dr. Robert aus Lüdenscheid. Ansteckende Krankheiten wurden nicht gefunden. Ein Knabe wurde vom Arzte bis auf Weiteres Dispensiert [= beurlaubt] wegen mangelhaften in der Verkrüppelung begriffenen Knochenaufbaues und wegen allgemeiner Schwäche und Blutarmut.

Im November des selben Jahres stellt Dr. Robert fest, dass das Trinkwasser in der Elsener Schule durchaus ungenießbar ist, und empfiehlt dringend die Anschaffung eines guten Trinkwassers.

Ein weiterer interessanter Bestandteil der Chronik sind die Aufzeichnungen über die Ferienzeiten.

14tägige Sommerferien werden hier nur in den Jahren 1878-1880 erwähnt. Danach beschränken sich die Angaben auf die Oster- bzw. Lenzferien, die Pfingstferien und die Weihnachtsferien. Die dreiwöchigen Herbstferien wurden regelmäßig wegen der unvollendeten Kartoffelernte, um acht Tage verlängert. Diese, vermutlich vom Lehrer und Schulvorstand eigenmächtige Verlängerung der Ferien, verärgerte anscheinend im Jahr 1885 den Landrat zu Altena. Darauf weist ein Eintrag vom 24. Dezember des Jahres hin in dem steht:

„Da die Kartoffel- od. Herbstferien um acht Tage verlängert worden waren, so fielen die diesjährigen Weihnachtsferien gänzlich fort, indem laut der Verfügung des Königl. Landrathts zu Altena Herrn Dr. Kruse nur die Sonn – u. Feiertage als Schulfrei bezeichnet worden.“ Augenscheinlich war mit dieser Anordnung Lehrer zu Elsen nicht einverstanden. Denn anstatt am zweiten Januar den Unterricht zu beginnen, gab es eine Schulfeier zum 25jährigen Jubiläum Sr. Majestät des Kaisers als König von Preußen. Wegen der schlechten Witterung wurden anschließend die Kinder nach Hause geschickt. In den Tagen darauf fiel der Unterricht dann wegen starkem Schneefall aus.

Auch über die Anzahl der Schüler, die in Elsen unterrichtet wurden, findet man in der Chronik einige Hinweise. Bei den Einträgen zu den Entlass- und Versetzungsprüfungen werden in den ersten Jahren lediglich die Anzahl der Kinder, die die Schule verließen notiert. Ab dem Jahr 1885 folgen dann genaue Zahlen. Demnach besuchten im Juni 1885 insgesamt 152 schulpflichtige Kinder die Schule in Elsen. Infolge der Eröffnung der neuen Schule in Rärin verringert sich die Zahl im gleichen Jahr auf 109 Schüler. Davon wurden 72 morgens und 37 nachmittags unterrichtet. Im Mai 1886 beträgt die Schülerzahl 122 mit den Lernanfängern. Im April 1887 besuchen 80 Kinder den Morgenunterricht und 30 den am Nachmittag. Im Jahr 1888 verringert sich dann die Anzahl der Schüler auf 87, weil die Kinder von Danklin, Wiebruch und Warbollen der Dorfschule zugewiesen wurden.

Die Chronik endet am 22. September 1888 mit dem Eintrag: „Schluss des Unterrichts. Beginn der Ferien. Warum die Aufzeichnungen nicht weitergeführt wurden oder ob sie verloren gegangen sind, bleibt unklar.     Im Jahr 1922, mit der Eröffnung der Schule in Hüinghausen, wurde der Schulbetrieb in Elsen eingestellt.

 

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