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Ahnenforschung Birgit Hüttebräucker
Damals in Herscheid

Einweihung des Kriegerdenkmals auf dem Ehrenfriedhof

Von Birgit Hüttebräucker Juli 2020
Quellen:
Kirchenarchiv und Sonntagsblatt der Ev. Kirchengemeinde Herscheid

Ein ernster Tag in dunkler Zeit ist gleichwohl ein erhebender Tag geworden“. Mit diesen Worten beschrieb Pfarrer Adolf Schneider im Jahr 1920 den 15. August. Es war der Tag, an dem das Denkmal auf dem Herscheider Friedhof feierlich eingeweiht wurde.

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Dass bis zu diesem Tag vor genau 100 Jahren einige Hürden überwunden werden mussten, belegen verschiedene Berichte die sich in den Sonntagsblättern des Jahres 1920 befinden. So schreibt Pfarrer Schneider am ersten Februar: Die Aufstellung des Ehrendenkmals auf dem Friedhof soll nunmehr in Bälde erfolgen. Dasselbe ist bereits fertig gestellt. Der Bildhauer ist in diesen Wochen an der Arbeit, die Namen aller Gefallenen aus dem Amt Herscheid in den Stein einzuhauen. Das Denkmal wird mit dem Sockel ca. 4 Meter hoch werden und aus schwedischem Granit bestehen. Die Kosten werden nicht gering sein. Adolf Schneider berichtet weiter dass die vorhandenen Geldmittel bei weitem nicht ausreichen werden und er daher an die Opferwilligkeit der Gemeinde appelliert. Dass er bei den Herscheidern überwiegend Unterstützung erhielt belegt eine Spendenliste, die dem Sonntagsblatt beigelegt wurde und auf der 581 Spender verzeichnet sind. Es gab aber durchaus auch kritische Stimmen, wie ein Bericht von Schneider am 15. Februar 1920 erkennen lässt: Der Gedanke, dass nun endlich das Heldendenkmal auf dem Ehrenfriedhof zur Aufstellung gelangen soll, hat freudigen Wiederhall in der Gemeinde gefunden. Schon zu lange schien es den meisten zu dauern. Und es hat ja wohl nicht an Vorwürfen von gewisser Seite gefehlt, die glaubten eine tadelnswerte Säumigkeit bei Pfarrer oder Presbyterium entdecken zu müssen. Doch lag die Säumigkeit nicht an uns, sondern an der amtlichen Beratungsstelle, die wir pflichtmäßig um Rat angingen und die trotz stetigem Bitten (auch telegraphischer Mahnungen) nicht vorankam und uns endlich Zwang, selbst vorzugehen.

Auch über den Standort des Denkmals gab es im Vorfeld Unstimmigkeiten. Die Kirchengemeinde, allen voran Pastor Adolf Schneider fand den, im Dezember 1918 eingeweihten Ehrenfriedhof als würdigen Standort. Dort waren bereits acht, im 1.Weltkrieg gefallene Soldaten, die nach Herscheid überführt wurden, beigesetzt. Einflussreiche Persönlichkeiten, die führende Funktionen im Wehrverein hatten, bevorzugten eine Stelle in der Nähe der 1898 erbauten Kaiserhalle als geeignet. Nachdem alle Meinungsverschiedenheiten überwunden waren und die Kosten dank großzügiger Spenden gedeckt waren, wurde das Mahnmal am 15. August 1920 eingeweiht. Pfarrer Adolf Schneider berichtet ausführlich über dieses Ereignis im Sonntagsblatt. Auszugsweise folgen hier einige Stellen, die den Ablauf wiedergeben. Der letzte Sonntag war ein Ehrentag unserer Gemeinde. Es galt das Heldendenkmal auf unserem Ehrenfriedhof einzuweihen und zugleich damit fand das Jahresfest des  Wehr-Vereins statt. Bereits seit Wochen war das wohlgelungene Bauwerk des Bildhauers Wilhelm Lüsebrink aus Lüdenscheid zur Aufstellung gekommen doch fehlte noch die Arbeit des Gärtners. Diese wurde durch Herrn Fröhlich aus Herscheid in trefflicher Weise geleistet……

Besonders passend war die Vereinigung dieser Feier mit der Jahresfeier  des Wehr-Vereins, der nach alter Sitte Kirchgang hielt…. Nach der Predigt versammelte sich die Gemeinde auf dem Kirchplatz. Es ging nunmehr unter Glockengeläut und unter Vorantritt der Militärkapelle, die der Wehrverein für sein Fest gewonnen hatte zum Ehrenfriedhofes, wo der zweite Teil des gottesdienstlichen Aktes stattfand. ..Nach einem Lied des Gesangvereins Constantia, wurde mit dem Vaterunser und dem Segen die kirchliche Feier geschlossen. Es erfolgte noch die Niederlegung des Kranzes der Kirchengemeinde Herscheid und eines zweiten Kranzes durch den Vorsitzenden des Wehr-Vereins Herrn Paul Schulte, der auch noch ein Wort im Namen des Wehr-Vereins sprach. Dann fand die erhabene Feier ein Ende….. Am Abend nahm der Ortspfarrer auf Wunsch des Wehr-Vereins nochmals gern die Gelegenheit, ein vaterländisches Wort am Denkmal der Gefallenen von 1864=1866=1870/71 zu sprechen.

Ehrenmal Friedhof

 

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