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Ahnenforschung Birgit Hüttebräucker

Der Herscheider Dorfbrand am 01. April 1686

Der erste April ist für uns heute ein Datum ohne besondere Bedeutung. Das war nicht immer so, denn in unserer Gemeinde wurde fast 160 Jahre lang an diesem Tag ein stiller Gedenktag, der Buß- und Bettag, begangen. Dieser evangelische Feiertag findet erst seit Ende des 19. Jahrhunderts am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag (Totensonntag), also dem letzten Sonntag im Kirchenjahr statt. In der Zeit davor wurde dieser Feiertag immer aus aktuellem Anlass eingesetzt. In Herscheid wurde dieser Gedenktag Tag aufgrund des Brandes der vor 330 Jahren über das Dorf hereinbrach begangen.

Einzelheiten zu diesem Brand, welche Ursache er hatte und welche Häuser in der Gemeinde betroffen waren sind leider nicht verzeichnet. Es findet sich in verschiedenen Quellen nur ein allgemeiner Hinweis, der lautet: Am 1. April 1686 ist in Herscheid eine geschwinde und unvermutete Feuersbrunst entstanden, wodurch nicht allein der Kirchturm samt den Glocken und dem Kirchendache bis auf das Gewölbe, sondern auch die daran stehenden Pfarrgebäude und viele andere Wohnhäuser gänzlich eingeäschert und vernichtet worden sind.

Wenn auch die allgemeinen Angaben zu diesem Ereignis sehr dürftig sind, zeigen einige Unterlagen aus dem Herscheider Kirchenarchiv, dass die Schäden gerade an der Kirche sehr groß waren und es viele Jahre dauerte, bis diese einigermaßen hergerichtet war. Da die Anordnung der Häuser, rund um das Gotteshaus ähnlich wie heute war, kann man sich ein ungefähres Bild davon machen, wie es damals ausgesehen haben muss. Der Spieker brannte 1686 bis auf die Grundmauern nieder. Das direkt angrenzende Pfarrgebäude wurde wie auch die Küsterei bei dem Brand beschädigt. Dies belegen alte Rechnungen und Quittungen. Da den Herscheidern die finanziellen Mittel für die Reparaturen der Gebäude fehlten, zog sich die Instandsetzung über einige Jahre hin. Zwei Jahre nach dem Brand, am 24. Juli 1688 bewilligte der Kurfürst Friedrich III eine Kollekte in Kleve Mark. Daraufhin durften die Herscheider die notwendigen Mittel in Form von Spenden sammeln. Eine spezifizierte Rechnung aus der Zeit von 1688 bis 1691 listet auf, für welche Zwecke das Geld verwendet wurde. So finden sich dort Zahlungen für den Bau des Glockenstuhls und des Turmes, Lohnzahlungen für den Glasermeister für die Instandsetzung der Kirchenfenster, Handwerkerlöhne für Arbeiten an der Küsterei, Zahlungen für Boten, und vieles mehr. Den alten Unterlagen kann man weiter entnehmen, dass im Jahr 1688 die Glocken wieder in Betrieb genommen wurden. 1693, also erst sieben Jahre nach dem verheerenden Brand, wurde das Dach der Kirche neu gedeckt. 1694 verkaufte die Kirche ein Grundstück, um die Reparatur der Orgel zu finanzieren. Am 04. Juni 1704 wurde die zum Teil wiederhergestellte Kirche eingeweiht. Aus dieser Zeit stammt auch die heute noch vorhandene Kanzel und der Hochaltar, der im April 1945 durch Granattreffer zerstört wurde. Der Turmhelm wurde erst im Jahr 1713 durch die Zimmerleute aufgesetzt. Dieses Ereignis war für die Herscheider Bevölkerung ein außergewöhnliches Fest, das gebührend gefeiert wurde. Insgesamt hat es 27 Jahre gedauert bis die Schäden, die dieser Dorfbrand an der Kirche angerichtet hat, beseitigt waren. Der in Herscheid, von 1844 bis 1877 amtierende Pfarrer Wilhelm Spaeing, erinnert in seiner Chronik an den Brand und den stillen Gedenktag. Er schreibt: Den 1. April 1686 ist die Kirche durch Feuer stark beschädigt worden, ohne Zweifel gleichzeitig ein Teil des Dorfes. Zum Andenken an diese Begebenheit wurde bis zum Jahr 1845 am 1. April ein sogenannter Brandtag, d.i. Buß- und Bettag, gefeiert.

 
Birgit Hüttebräucker, März 2016
Quellen:
-Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Herscheid
-Chronik des Pfarrers Wilh. Späing
-Aus der Geschichte der Gemeinden Plettenberg, Ohle und Herscheid nach vielen Quellen berichtet von P.D. Fromman
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