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Ahnenforschung Birgit Hüttebräucker

Das Herscheider Gut Hämmchen und ein Eisendiebstahl

Es handelt sich hierbei um ein Schreiben vom 23.02.1782 das Johann Peter Schulte an den Landrat von Holzbrink schickt. Im ersten Teil berichtet er über den Zustand des Gutes Hämmchen, im zweiten Teil über einen Eisendiebstahl zum Habbel. Zum besseren Verständnis habe ich einige Worte in die heutige Sprache geändert, den größten Teil aber in der Originalschreibweise gelassen.

Hoch wohl gebohrner Freyherr

Hoch gebiethender Herr Landrath

Auf Euer Hochwohlgebohrenen Order vom 20. Februar bin ich nach dem Hämgen geweßen und die Gebäude und Zäune besehen, wie solche jetzo im stande sein. Das Hauß und der Tach ist noch in brauchbaren stande - Der Schoppen ist auch noch auß wendig von Gehöltz und Tach noch in guthem stande, inwendig aber ist daß Stockwerck mit kleinem Gehöltz und Büschen beleget. So sagte der alte Huttebrucher es wäre niemahlen Bretter darauf geweßen. Der Junge Huttebrucher ward nicht zu hauße.

Das Backhaus ist unten her von Mauerwerck und inwendig von Gehöltz in schlechtem stande und der Backofen darin ist gantz verfallen. Solches ist aber so viel mir bekand beiy Aufzug des Huttebruchers auf das Guth, im schlechten stande geweßen, und hat kein Brot darin backen können. Obenher das Backhaus so viell man sehen konnte ist daß spaarenwerck von Gehöltz noch gut. Der Tach darauf ist gantz verfallen und viell Löcher darauf, daß also ein ganz neuer Tach muß darauf gelegt werden. Es sagete der alte Huttebrucher er hätte daß Backhauß nicht brauchen können, er wäre nicht schuldig einen gantzen neuen Tach darauf zu legen, nach meiner Meinung wäre er doch schuldig geweßen so viell ihm Tach zu halten, daß es nicht dadurch geregnet hätte. Hier über bitte ich mir eine beliebige Antwort auß, ob der alte Huttebrucher schuldig ist den Tach gantz neu darauf machen zu laßen, und ob ein Anschlag davon soll gemachet werden waß der neue Tach kostet. Der Zaun um den Hof ist noch in brauchbahrem stande.

Um den Baumhof und Garten sind keine Zaune wie ihnen bekandt, ferner habe ich ein paar neuer Räder und eine neue Kahr so auß gehauen gefunden. So sagte der alte Huttebrucher die gehörten seinem Sohne, es ward der junge Huttebrucher ausßgefahren und kommt vor dem Sonntag nicht wider.

Nun habe ich dem Koordt und des Huttebruchers Frau bedeutet daß sie dem alten Huttebrucher die Haber und andere Gereidschaft nicht sollten auß folgen laßen biß er die ruckständige Pacht bezahlet hätte, und die Räder und das Holtz zu der Kahr ihm gaar nicht solten auß folgen lassen.

Die Dunge kann noch nicht taxiert werde, einen theils lieget noch Schnee darauf und anderen theils ist die Dunge noch nicht alle ausgefahren und gedunget, zu deme wird daß beste sein das solche vermeßen wird. Der junge Huttebrucher weiß nicht waß auf jedes Stück gesäet ist und dem alten seinen Angaben traue ich nicht.

Ferner muß ich Euer Hochwohlgebohren melden, daß uns in dießem Frost wie man vermuthete vergangenen Donnerstag zum Habel auf dem Hammer Eißen gestohlen ist. Es ist oben auf der Kammer ein klein Loch durch den Ollern gebrochen so groß daß sie Eben einen Osmund haben durchziehen können. Dieß hat woll gewiß der alte Muhler nahmens Schröder gethan. Der selbe hat den vormittag um den Habel und um den Hamer und in dem Hamer herum vagiert, und den nachmittag ist er mit drey Osmund nach Herscheidt gegangen, womit er verschiedenen Leuthen begegnet ist. Welches mir auch Einige haben sagen laßen. So ist er auch zu Herschede bey die Schmiede ankommen. Dem Ersten Schmidt hat er die drey Osmund verkaufen wollen. Der hat solche nicht haben wollen. So hat der Schröder einen Osmund dahin gesetzet und gesaget den solte er ihm Nägel und andere Gereidschaft davon machen. Die andern beiden Osmund hat er einem andern Schmiede gebracht. Ob er solche dem selben verkaufet hat weiß man noch nicht. Den Abend um 8 Uhr schrieb mir auch Pollmann es wäre der Alte Muller mit drey Osmund im Dorf ankommen. Die würden vermuthlich vom Habel sein, er wüste auch ohngefehr wo sie wären, ob er solte vissitiren laßen und die Osmund in arrest nehmen. Dießes wollte ich nicht bewilligen, dieses ward mir zu gefährlich mit solchem Bößewicht ohne ihr Vorwißen waß anzufangen, er wäre jetzo wohl zu überführen nach meiner Meinung. Sie verstehen es aber beßer, er ist den Morgen vor der Muhle und daß Habeler Hauß vorbey kommen und hat ein Eißen gehabt und ohngefehr drey Schuß weges vom Hamer nach Herschede hin ist er bey Leuthe gekommen. So hat er drey Osmund gehabt und ist auch Verschiedenen begegnet die es gesehen haben, und nun weiß auch wohin der Osmund kommen sei. Also thuet er es jetzt bald öffentlich. Nun muß ich Euer Hochwohlgebohren solches überlaßen wie man solches anfänget, oder ob man stille dabey stehet. Im letzten Fall wan er hier noch ruhig gehen bleibet, kan er uns noch viellen Schaden mit Diebereien wie geschehen verursachen nebst anderen Verdrießlichkeiten, und wan was solte mit ihm angefangen werden, oder eingezogen werden, und bleibet nicht Zeit seines Lebens vest, oder daß er desertiren solte, so ist es gefährlich vor uns beide. So könte der Schaden wieviel mahl größer vor uns werden als der Erste, ein jeder hat dazu gerathen ich solte ihn vest setzen laßen, ein jeder sähe gern daß er weg käme aber wan es einen Fehler gebe so ging es über uns auß, überlegen Sie die Sache aufs beste, es hat noch Zeit man hat hier von Beweiß genug.

Ich beharre mit aller Hochachtung

Euer Hochwohl gebohrenen

gehorsamster Diener

Johann Peter Schulte

Elsen den 23.Februar 1782

Nachschrift

Stahlschmidt kan ihnen mehres davon erzehlen welches alle zu weitläufig im Schreiben. Der hat sich auch erkundiget wo daß Eißen hin komen.

Birgit Hüttebräucker
Quelle: Kopie des Schriftstückes aus dem Jahr 1782
Haemmchen

Das Hämmchen im Jahr 1932

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